Systemische Beratung

Die systemische Beratung wurde in den 50-er Jahren von Virginia Satir entwickelt und zeichnet sich durch Lösungsorientiertheit und Eigenverantwortlichkeit des Klienten aus. Sie kann sowohl bei Individuen als auch bei Gruppen von Menschen (Paare, Familien, Kollegien, Teams aller Art) angewendet werden. Im Vordergrund steht die Stärkung der Ressourcen und Kompetenzen des/der Klienten, daher wird die systemische Beratung häufig auch als ressourcenorientierte Beratung bezeichnet. Der Klient ist selbst Experte für seine Probleme und Lösungen; der Berater oder Coach ist Experte für den Weg zum Finden der Lösung.

Das Wesen der systemischen Beratung

In der systemischen Beratung wird das Individuum als Teil verschiedener Netzwerke betrachtet. Die wichtigste dieser prägenden Vernetztheiten ist die Einbindung in die Herkunftsfamilie. Die dort erlernten Regeln, Rollen, Sprach- und Interaktionsmuster nehmen ein Leben lang Einfluss darauf, wie wir Situationen, uns selbst und andere Menschen wahrnehmen. Da jeder Eingriff in ein System Auswirkungen auf das ganze System hat, geht es in der systemischen Beratung stets um Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Elementen eines Systems. Der Klient bzw. die Klienten werden nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit seiner bzw. ihrer Umwelt betrachtet.

Die systemische Beratung folgt dem Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ und geht grundsätzlich von der Selbstständigkeit des Klienten aus. Bei der Suche nach Lösungen von Problemen wird auf die eigenen Ressourcen des Ratsuchenden zurückgegriffen. Die Haltung des systemischen Beraters ist von Unvoreingenommenheit, Akzeptanz, Wertschätzung und Einfühlungsvermögen geprägt. Im Dialog werden eigenverantwortlich die individuell passenden Wegen und Lösungen gesucht. Der Berater schlägt selbst keine konkreten Lösungen vor, sondern die Lösung soll in einem Selbstreflexionsprozess von dem oder den Klienten selbst erarbeitet werden.

Vorgehen

Die systemische Beratung will neue Wahrnehmungs- und Denkräume öffnen und das Bewusstsein für alternative Handlungsmöglichkeiten schaffen. Indem die Wahlmöglichkeiten steigen und neue Verhaltensoptionen entstehen, ergeben sich Bedingungen für Veränderung. Im Idealfall führt die systemische Beratung zu mehr Toleranz, gegenseitigem Verständnis und Achtsamkeit im Umgang miteinander und sich selbst.

Methoden der systemischen Beratung

Gängige Methoden der systemischen Beratung sind:

  • Zirkuläres Fragen: Davon ausgehend, dass verschiedene Menschen in derselben Situation oft Unterschiedliches wahrnehmen und es daher zu Verständigungsproblemen kommt, wird der Klient dazu angehalten, Dinge aus der Perspektive Dritter wahrzunehmen.
  • Die Wunderfrage: Der Klient wird zum lösungsorientierten Denken angeleitet und soll sich vorstellen, sein Problem wäre wie durch ein Wunder gelöst. Im schrittweise angeleiteten Durchdenken des unmöglich Erscheinenden bietet sich die Chance, neue Lösungsansätze zu entdecken.
  • Reframing: Durch Umdeutung wird einer Situation oder einem Geschehen eine andere Bedeutung zugewiesen und werden andere Perspektiven und Deutungsmöglichkeiten wahrgenommen.
  • Genogrammarbeit: Mittels vorab bestimmter Zeichen, z. B. Kreise für weibliche und Vierecke für männliche Personen, werden komplexe Informationen über Familiensysteme übersichtlich grafisch dargestellt.
  • Arbeit mit Familienskulpturen: Durch bildhafte Darstellung von Familienmitgliedern sollen damit verbundene Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle bewusst werden.

Ausbildung und Qualifikation

Die Begriffe „Systemische Beratung“ und „Systemischer Berater“ sind nicht einheitlich definiert und nicht geschützt. Es besteht kein verbindliches Ausbildungskonzept. Es gibt verschieden intensive Aus- und Weiterbildungsangebote bis hin zum Studium. Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) bemüht sich um die Etablierung entsprechender Standards.

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